E-Nummern und Allergene: Welche sind wirklich relevant?

Die 14 kennzeichnungspflichtigen EU-Allergene sind meist Zutaten wie Milch, Erdnüsse oder Weizen, keine E-Nummern. Relevant werden Zusatzstoffe vor allem bei Sulfiten, bestimmten Polyolen oder einer individuell diagnostizierten Reaktion. Dieser Ratgeber trennt Allergenrecht, Unverträglichkeit und allgemeine Sicherheitsbewertung sauber voneinander.[1]

Aktualisiert: Juli 2026

Verbraucherin prüft Lebensmittel in einem europäischen Geschäft
Foto: Haberdoedas / Unsplash

Was sind E-Nummern überhaupt?

Eine E-Nummer ist ein europaweit einheitlicher Kurzcode für einen Zusatzstoff. Die konkrete Zulassung gilt nicht pauschal, sondern für festgelegte Lebensmittelkategorien und Verwendungsbedingungen. Die EFSA bewertet die Sicherheit; die Europäische Kommission und die Mitgliedstaaten regeln die Zulassung.[2]

Die Nummernbereiche geben nur eine grobe Orientierung, denn Funktionen überschneiden sich:

Wichtig zu wissen Eine E-Nummer ist weder Warnsignal noch Gesundheitsversprechen. Hinter E300 steckt Ascorbinsäure, hinter E100 Kurkumin (nicht die ganze Kurkumawurzel) und hinter E440 Pektin. Entscheidend sind der konkrete Stoff, seine Verwendung und deine individuelle Diagnose.

Die 14 EU-Allergene (Pflichtkennzeichnung)

Folgende Zutaten müssen laut Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV) in Zutatenlisten hervorgehoben werden, meist in Fettdruck oder GROSSBUCHSTABEN:

  1. Glutenhaltiges Getreide: Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, Dinkel, Kamut
  2. Krebstiere: Garnelen, Hummer, Krabben
  3. Eier
  4. Fisch
  5. Erdnüsse
  6. Sojabohnen
  7. Milch und daraus gewonnene Erzeugnisse (einschließlich Laktose)
  8. Schalenfrüchte: Mandeln, Haselnüsse, Walnüsse, Cashews, Pekan, Paranüsse, Pistazien, Macadamia
  9. Sellerie
  10. Senf
  11. Sesamsamen
  12. Schwefeldioxid und Sulfite bei Konzentrationen von mehr als 10 mg/kg oder 10 mg/l, berechnet als insgesamt vorhandenes SO2. Als Zusatzstoffe erscheinen sie unter E220 bis E228.
  13. Lupinen
  14. Weichtiere: Muscheln, Schnecken, Tintenfisch

Zusatzstoffe, die bei empfindlichen Menschen Reaktionen begünstigen können

Pseudoallergische Reaktionen ähneln einer Allergie, beruhen aber nicht auf demselben immunologischen Mechanismus. Als mögliche Auslöser werden unter anderem Sulfite, Benzoate und bestimmte Farbstoffe diskutiert. Diagnostik und Provokation gehören in fachkundige Hände; pauschale Verbotslisten sind nicht sinnvoll.[3]

E-NummerNameHinweis
E220 bis E228Schwefeldioxid und SulfiteAb mehr als 10 mg/kg oder l als Allergen hervorzuheben; individuelle Reaktionen möglich
E210 bis E213Benzoesäure und BenzoateWerden als mögliche Auslöser pseudoallergischer Reaktionen beschrieben
E102, E110, E122, E124, E129Bestimmte AzofarbstoffeMögliche pseudoallergische Reaktionen sind von der Kinder-Warnkennzeichnung zu unterscheiden
E104ChinolingelbKein Azofarbstoff, trägt aber denselben Kinder-Warnhinweis

Relevante E-Nummern bei Fruktosemalabsorption und Reizdarm

Die praktisch wichtigste Gruppe sind Polyole. Sie gehören zu den FODMAP; ob und ab welcher Portion Beschwerden auftreten, ist individuell. Eine Low-FODMAP-Phase sollte strukturiert, zeitlich begrenzt und mit anschließender Wiedereinführung durchgeführt werden.[7][8]

E-NummerNameRelevanz
E420SorbitPolyol; Portion und individuelle Toleranz beachten
E421MannitPolyol; Portion und individuelle Toleranz beachten
E953IsomaltPolyol; Portion und individuelle Toleranz beachten
E965MaltitPolyol; Portion und individuelle Toleranz beachten
E966LaktitPolyol; der Name allein bedeutet nicht Laktose im Endprodukt
E967XylitPolyol; Portion und individuelle Toleranz beachten
E968ErythritPolyol; Verträglichkeit individuell prüfen

Lebensmittel mit mehr als zehn Prozent zugesetzten Polyolen müssen den Hinweis „Kann bei übermäßigem Verzehr abführend wirken“ tragen.[9] Der Warnhinweis sagt nichts darüber aus, welche persönliche Menge du verträgst.

Relevante E-Nummern bei Laktoseintoleranz

Milchzucker wird als „Laktose“ oder „Milchzucker“ angegeben, nicht hinter einer E-Nummer versteckt. E966 Laktit wird zwar aus Laktose hergestellt, ist für die Verdauung aber vor allem als Polyol relevant.

Milchsäure ist nicht Milchzucker Milchsäure (E270) und ihre Salze E325 bis E327 sind chemisch keine Laktose. Menschen mit Laktoseintoleranz können Milchsäure und Laktate nach Angaben des Verbraucherportals Bayern verzehren.[4] Aus der Bezeichnung lässt sich allerdings nicht die Herstellungsquelle ablesen.

Ähnliche Namen richtig einordnen

Bei diesen Bezeichnungen kommt es auf den exakten Stoff und die deklarierte Quelle an:

Relevante E-Nummern bei Zöliakie

Bei modifizierten Stärken ist nicht die Nummer selbst entscheidend, sondern die Rohstoffquelle. Die EU führt derzeit elf modifizierte Stärken als Zusatzstoffe.[10]

E-NummerNameHinweis
E1404, E1410, E1412, E1413, E1414Modifizierte StärkenDie E-Nummer nennt die chemische Modifikation, nicht die Pflanzenquelle
E1420, E1422, E1440, E1442Modifizierte StärkenAuf eine gegebenenfalls allergene Ausgangsquelle achten
E1451, E1452Modifizierte StärkenGehören ebenfalls zur aktuellen EU-Liste

Stammt eine Zutat aus einem kennzeichnungspflichtigen glutenhaltigen Getreide und greift keine gesetzliche Ausnahme, muss die allergene Quelle klar hervorgehoben werden.[9] Deshalb sind Fettmarkierung und Herkunftsangabe wichtiger als die E-Nummer. Prüfe die Liste bei jedem Kauf neu; Rezepturen können sich ändern. Mehr dazu: Rezepturänderungen.

E-Nummern und Pseudoallergien

Pseudoallergische Reaktionen können unter anderem Haut, Atemwege oder Kreislauf betreffen. Der Allergieinformationsdienst nennt als mögliche Auslöser unter anderem Farb- und Konservierungsstoffe.[3] Verdächtige Stoffe sollten nicht allein anhand einer Internetliste diagnostiziert werden.

Glutamat gehört nicht zu den 14 Allergenen. Die EFSA legte für zugesetzte Glutaminsäure und Glutamate E620 bis E625 einen Gruppen-ADI von 30 mg/kg Körpergewicht und Tag fest.[6] Das ist eine allgemeine Sicherheitsbewertung und nicht mit einer Allergiediagnose gleichzusetzen.

Bekannte Stoffe hinter E-Nummern

Diese Beispiele zeigen, warum der Code allein keine Risikokategorie ist. Auch ein vertrauter Name garantiert aber nicht die individuelle Verträglichkeit:

Auch bei loser Ware und im Restaurant Auch bei loser Ware und in der Gastronomie müssen Informationen zu den 14 Allergenen verfügbar sein.[1] „Kann Spuren enthalten“ ist ein freiwilliger Hinweis auf ein mögliches unbeabsichtigtes Vorkommen. Er sollte risikobasiert verwendet werden und darf gute Herstellungspraxis nicht ersetzen.[1] Mehr dazu im Artikel zur Allergenkennzeichnung nach LMIV.

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Häufige Fragen

Sind natürliche Zusatzstoffe besser als künstliche?

Natürlich oder synthetisch sagt für sich genommen nichts über Sicherheit oder individuelle Verträglichkeit aus. Entscheidend sind der konkrete Stoff, die Dosis, die zugelassene Verwendung und eine mögliche persönliche Empfindlichkeit.

Was bedeutet „kann Spuren enthalten“?

Der freiwillige Hinweis weist auf ein mögliches unbeabsichtigtes Vorkommen eines Allergens hin. Er sollte auf einer Risikobewertung beruhen und ersetzt keine gute Herstellungspraxis. Menschen mit diagnostizierter Allergie orientieren sich an ihrem ärztlichen Notfall- und Ernährungsplan.

Warum steht bei manchen Zusatzstoffen die E-Nummer und bei anderen der Name?

Im Zutatenverzeichnis steht grundsätzlich die Funktionsklasse und anschließend entweder der spezifische Name oder die E-Nummer, zum Beispiel „Antioxidationsmittel Ascorbinsäure“ oder „Antioxidationsmittel E300“.

Welche Farbstoffe tragen einen Warnhinweis für Kinder?

Tartrazin (E102), Chinolingelb (E104), Gelborange S (E110), Azorubin (E122), Cochenillerot A (E124) und Allurarot AC (E129). Der Hinweis ist kein Allergiewarnhinweis; außerdem gelten eng begrenzte Ausnahmen.

Ist Glutamat ein Allergen?

Nein, Glutamat gehört nicht zu den 14 kennzeichnungspflichtigen Allergenen. Der EFSA-Gruppen-ADI von 30 mg/kg Körpergewicht und Tag für zugesetzte Glutaminsäure und Glutamate E620 bis E625 ist eine Sicherheitsbewertung, keine Allergeneinstufung.

Muss bei Sorbit ein Warnhinweis stehen?

Nicht Sorbit allein: Lebensmittel mit mehr als 10 Prozent zugesetzten Polyolen (Zuckeralkoholen) insgesamt müssen den Hinweis tragen: "Kann bei übermäßigem Verzehr abführend wirken." Das gilt für alle Polyole (Sorbit, Xylit, Maltit, Isomalt usw.), nicht nur für eine einzelne Substanz.

Quellen

  1. Europäische Kommission: Food allergies, Kampagne 2026. Aktuelle Behördeninformation zu 14 Allergenen, loser Ware und risikobasierter Spurenkennzeichnung.
  2. EFSA: Food Additives. Wissenschaftliche Bewertungen und laufende Neubewertungen aller zugelassenen Zusatzstoffe.
  3. Allergieinformationsdienst (Helmholtz Munich): Pseudoallergien. Mechanismen, Häufigkeit und Diagnostik pseudoallergischer Reaktionen auf Zusatzstoffe.
  4. Verbraucherportal Bayern: Was tun bei Milchzuckerunverträglichkeit? Milchsäure (E270) und Laktate (E325 bis E327) können bei Laktoseintoleranz ohne Bedenken verzehrt werden.
  5. EU-Verordnung 1333/2008, Anhang V. Rechtsverbindlicher Kinder-Warnhinweis für sechs Farbstoffe und Ausnahmen.
  6. EFSA: Glutamate safety re-evaluation (2017). Neubewertung von Glutaminsäure und Glutamaten mit Ableitung eines Gruppen-ADI von 30 mg/kg/Tag.
  7. DGVS: S3-Leitlinie Reizdarmsyndrom. Leitlinienrahmen für eine strukturierte, therapeutisch begleitete Ernährung bei Reizdarm.
  8. Monash University: Label reading and polyol E-numbers. Universitäre Übersicht der als FODMAP relevanten Polyol-E-Nummern.
  9. EU-Verordnung 1169/2011 (LMIV), Anhänge II und III. Primärquelle zu Allergenen, Ausnahmen und Polyol-Pflichthinweis.
  10. Europäische Kommission: Modified starches. Amtliche Liste der elf in der EU zugelassenen modifizierten Stärken.

Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Verdacht auf eine Unverträglichkeit gegenüber Zusatzstoffen wende dich an deinen Facharzt. Ampelo ist ein Orientierungshilfsmittel und kein Medizinprodukt.

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