Sulfite Unverträglichkeit: Wein, Trockenfrüchte und mehr

Sulfite und Schwefeldioxid sind seit langem etablierte Konservierungsmittel. Für die meisten Menschen sind sie unproblematisch, doch ein Teil der Bevölkerung reagiert empfindlich. Besonders Menschen mit Asthma können beim Verzehr sulfitreicher Lebensmittel Beschwerden entwickeln.

Stand: April 2026

Glas Rotwein
Wein kann je nach Art sehr unterschiedliche Sulfitmengen enthalten. Trockene Rotweine liegen meist deutlich niedriger als Süßweine.

Was sind Sulfite?

Sulfite sind Salze der schwefligen Säure. Zusammen mit Schwefeldioxid (SO2) zählen sie zu den ältesten bekannten Konservierungsmitteln. In der EU werden sie unter den E-Nummern E 220 bis E 228 als Lebensmittelzusatzstoffe verwendet. Sie verlängern die Haltbarkeit, verhindern Bräunung, hemmen unerwünschte Mikroorganismen und stabilisieren Farben. Kennzeichnungsrechtlich stehen Sulfite auf der EU-Liste der 14 auslöserrelevanten Stoffe. Medizinisch handelt es sich aber meist nicht um eine klassische IgE-vermittelte (antikörpergesteuerte) Nahrungsmittelallergie, sondern um eine Unverträglichkeit.[1] Ab einer Konzentration von mehr als 10 Milligramm pro Kilogramm oder Liter müssen sie hervorgehoben in der Zutatenliste angegeben werden.

Wie häufig ist die Unverträglichkeit?

Genaue Prävalenzdaten für die Gesamtbevölkerung fehlen, weil die Reaktionen unspezifisch sind und oft anderen Ursachen zugeschrieben werden. Bekannt ist vor allem, dass Menschen mit Asthma deutlich häufiger reagieren. Ältere Challenge-Studien sprechen von etwa 3 bis 10 Prozent der Asthmatiker mit Sulfit-Empfindlichkeit, wobei die Schwere der Reaktionen sehr unterschiedlich ausfällt.[2]

Symptome erkennen

Die Beschwerden treten in der Regel innerhalb von Minuten bis wenigen Stunden nach Verzehr auf. Sie sind meist nicht IgE-vermittelt (also keine klassische Antikörper-Reaktion), sondern beruhen auf einer pharmakologischen oder enzymatischen Reaktion auf das freigesetzte Schwefeldioxid.

Asthmatikerinnen und Asthmatiker besonders aufmerksam Wer Asthma hat, sollte beim Konsum sulfithaltiger Produkte besonders achtsam sein. Sulfite können die Bronchien verengen und akute Beschwerden auslösen. Bei einem Asthmaanfall ist die Notfallmedikation gemäß ärztlichem Plan einzusetzen. Bei schwerem Verlauf sofort den Notruf 112 wählen.

Warum reagieren manche empfindlicher?

Die Mechanismen sind nicht vollständig geklärt. Diskutiert werden unter anderem reizende Effekte von freigesetztem Schwefeldioxid auf die Atemwege und pseudoallergische Reaktionen (allergieartig, aber ohne Immunreaktion).[3] Die meisten Menschen mit Sulfit-Empfindlichkeit vertragen geringe Mengen ohne Beschwerden, reagieren aber, wenn ihre individuelle Schwelle überschritten wird. Wie hoch diese Schwelle liegt, ist von Person zu Person unterschiedlich. Die europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde (EFSA) hatte 2016 einen vorläufigen Gruppen-ADI (akzeptable tägliche Aufnahme) festgelegt, diesen aber 2022 wegen unzureichender neuer Daten wieder zurückgezogen. Die Datenlage zur sicheren Langzeitaufnahme bleibt lückenhaft.[4]

Wo stecken Sulfite drin?

LebensmittelMaximaler Sulfitgehalt
Trockenfrüchte (Aprikosen, Rosinen)500 bis 2000 mg/kg
Trockenkartoffeln, Pommes vorgegartbis 400 mg/kg
Weißweinbis 200 mg/l
Rotweinbis 150 mg/l (Bio oft niedriger)
Süßwein, Schaumweinbis 400 mg/l
Krebstiere und Kopffüßerje nach Produkt bis 300 mg/kg
Sauerkraut, eingelegtes Gemüsebis 100 mg/kg

Die Tabelle zeigt zulässige Höchstmengen, nicht die in jedem Produkt tatsächlich enthaltene Menge. Weitere typische Quellen sind Fruchtsäfte aus Konzentrat, Marmeladen aus getrockneten Früchten, Senf, Essig, Trockensuppen, Knabbergebäck mit getrockneten Früchten, manche Backwaren und Süßwaren. Auch in manchen Arzneimitteln (z. B. Injektionslösungen, Augentropfen) können Sulfite als Hilfsstoff vorkommen, was bei bekannter Empfindlichkeit und Asthma relevant sein kann.[5]

Diagnose: ärztlich abklären

Eine eindeutige Diagnose ist schwierig, weil es keine zuverlässig standardisierten Blut- oder Hauttests für Sulfitreaktionen gibt. Folgendes Vorgehen ist üblich:

  1. Anamnese und Symptomtagebuch: Welches Lebensmittel, wie viel, welche Symptome, zeitlicher Zusammenhang?
  2. Ausschluss anderer Ursachen: Histaminintoleranz, klassische Nahrungsmittelallergie, Asthma-Trigger.
  3. Provokation: Bei begründetem Verdacht kann eine kontrollierte orale Provokation in einer Spezialambulanz erwogen werden.

Praktische Tipps für den Alltag

Wie Ampelo bei Sulfit-Unverträglichkeit unterstützen kann

Ampelo kann beim Einkauf eine zusätzliche Orientierung bieten. Die App scannt Barcodes und markiert Sulfite in allen gängigen Bezeichnungen, von Schwefeldioxid und SO2 über Sulfit, Natriumsulfit und Natriummetabisulfit bis zu den E-Nummern E 220 bis E 228. Spurenhinweise und der Pflichthinweis "enthält Sulfite" werden erfasst. Die Datenverfügbarkeit variiert je nach Produkt und Hersteller.

Bitte beachte: Ampelo ist ein Orientierungshilfsmittel und kein Medizinprodukt. Prüfe Verpackungen immer zusätzlich selbst. Bei begründetem Verdacht auf eine Sulfit-Unverträglichkeit oder bei bekanntem Asthma solltest du das Vorgehen mit deiner Ärztin oder deinem Arzt abstimmen.

Sulfite und E-Nummern auf einen Blick

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Häufige Fragen

Was sind Sulfite?

Sulfite und Schwefeldioxid sind Konservierungsmittel, in der EU als E 220 bis E 228 zugelassen. Sie schützen Lebensmittel vor Verderb und Bräunung.

Sind Sulfite eine echte Allergie?

Meist nicht im klassischen IgE-Sinne. Es handelt sich um eine Unverträglichkeit oder pseudoallergische Reaktion. Menschen mit Asthma reagieren besonders empfindlich.

Welche Lebensmittel sind besonders kritisch?

Trockenfrüchte, Wein (besonders Süßweine), Sauerkraut, vorgegarte Kartoffelprodukte, Krebstiere, Trockensuppen und manche Säfte.

Wie erkenne ich Sulfite auf dem Etikett?

Über die Bezeichnungen Schwefeldioxid, Sulfit, SO2 oder die E-Nummern E 220 bis E 228. Ab 10 Milligramm pro Kilogramm oder Liter ist die Kennzeichnung Pflicht.

Wie hilft Ampelo?

Ampelo kann beim Einkauf eine zusätzliche Orientierung bieten und erkennt Sulfite und ihre E-Nummern in der Zutatenliste. Die Datenverfügbarkeit variiert je nach Produkt. Ampelo ist ein Orientierungshilfsmittel und kein Medizinprodukt.

Quellen

  1. LGL Bayern: Schwefeldioxid und Sulfit-Salze. Behördliche Information zu Kennzeichnung, E-Nummern und Höchstmengen.
  2. Vally H, Misso NLA: Adverse reactions to the sulphite additives. Gastroenterol Hepatol Bed Bench 2012;5(1):16-23. Prävalenz der Sulfit-Empfindlichkeit bei Asthmatikern (3 bis 10 Prozent).
  3. BfR: Schwefeldioxid und Sulfite. Stellungnahme zur EFSA-Neubewertung, Mechanismen und pseudoallergische Reaktionen.
  4. EFSA: Follow-up of the re-evaluation of sulfur dioxide-sulfites (E 220-E 228). EFSA Journal 2022. Vorläufiger ADI von 2016 zurückgezogen, Datenlage weiterhin lückenhaft.
  5. ASCIA: Sulfite Sensitivity FAQ (2024, PDF). Keine verlässlichen Blut-/Hauttests, Provokation bei begründetem Verdacht, Arzneimittel als versteckte Quelle.

Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Verdacht auf eine Sulfit-Unverträglichkeit oder bei bekannter Asthma-Erkrankung sprich bitte mit deiner Hausärztin oder Pneumologin. Bei akuten Atemnot-Beschwerden wende deine Notfallmedikation an und rufe bei Verschlechterung den Notruf 112. Ampelo ist ein Orientierungshilfsmittel und kein Medizinprodukt.

Wir recherchieren jeden Artikel sorgfältig und prüfen ihn gegen aktuelle Leitlinien. Wenn dir dennoch ein Fehler auffällt, freuen wir uns über eine Nachricht an kontakt@ampelo.de.