Bei schweren Allergien kann eine Anaphylaxie innerhalb von Minuten lebensbedrohlich werden. Das Allergie-Notfallset ist die wichtigste Absicherung. Hier erfährst du, was hineingehört, wie du die Medikamente anwendest und wie du Kita oder Schule vorbereitest.
Ein vollständiges Allergie-Notfallset besteht laut Leitlinie der DGAKI (Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie) aus drei bis vier einzeln verordneten Medikamenten.[1] Jedes Medikament hat eine andere Aufgabe und einen anderen Wirkungseintritt. Zusammen decken sie die verschiedenen Stadien einer anaphylaktischen Reaktion ab:
| Medikament | Wirkstoff (Beispiele) | Aufgabe | Wirkungseintritt |
|---|---|---|---|
| Adrenalin-Autoinjektor | Epinephrin (Adrenalin) | Kreislauf stabilisieren, Atemwege öffnen, Schwellung stoppen | 3 bis 5 Minuten |
| Antihistaminikum | Cetirizin, Dimetinden, Desloratadin | Hautreaktion und Juckreiz lindern | 15 bis 30 Minuten |
| Glukokortikoid (Kortisonpräparat) | Prednisolon, Betamethason | Entzündungsreaktion bremsen (Nutzen bei Anaphylaxie nicht gesichert) | 30 bis 60 Minuten |
| Bronchodilatator (atemwegserweiterndes Mittel, bei Asthma) | Salbutamol (Inhalationsspray) | Verkrampfte Bronchien weiten | 3 bis 5 Minuten |
Neben den Medikamenten gehört immer der vom Arzt ausgefüllte und unterschriebene Anaphylaxie-Notfallplan ins Set. Er enthält die individuellen Auslöser, die verordneten Medikamente mit an das Körpergewicht angepasster Dosierung und eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für den Notfall.[1]
Adrenalin (Epinephrin) ist das einzige Medikament, das alle lebensbedrohlichen Symptome einer Anaphylaxie gleichzeitig bekämpft: Es verengt die Blutgefäße (hebt den Blutdruck), erweitert die Bronchien (verbessert die Atmung), reduziert Schwellungen und hemmt die weitere Ausschüttung von Entzündungsbotenstoffen (Mediatoren).[1]
Der Autoinjektor wird je nach Körpergewicht in unterschiedlichen Dosierungen verordnet:[2]
Die DGAKI-Leitlinie empfiehlt, bei bestimmten Risikofaktoren zwei Autoinjektoren zu verordnen, etwa bei schweren Vorreaktionen, schlechter Erreichbarkeit des Rettungsdienstes oder sehr hohem Körpergewicht. In etwa 10 bis 20 Prozent der Anaphylaxien reicht eine Einzeldosis nicht aus. Tritt nach 5 bis 15 Minuten keine ausreichende Besserung ein oder verschlechtert sich der Zustand wieder, kann eine zweite Gabe nötig werden.[1][3]
In Deutschland sind verschiedene Adrenalin-Autoinjektoren verfügbar. Die Modelle unterscheiden sich in der Handhabung, weshalb du immer mit dem Modell üben solltest, das dir verordnet wurde.[2]
| Autoinjektor | Dosierungen | Besonderheiten |
|---|---|---|
| EpiPen / Fastjekt | 150 / 300 µg | Blaue Sicherheitskappe abziehen, oranges Ende auf Oberschenkel drücken |
| Jext | 150 / 300 µg | Gelbe Kappe abziehen, schwarzes Ende auf Oberschenkel drücken |
| Anapen | 150 / 300 / 500 µg | Zwei Kappen entfernen (Nadelkappe + Sicherheitskappe), Auslöseknopf drücken, einziger mit 500-µg-Dosis |
Hinweis: Emerade-Autoinjektoren wurden 2023 vom BfArM (Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte) zurückgerufen und sind nicht mehr regulär verfügbar.[4]
Im Notfall zählt jede Sekunde. Die Anwendung des Autoinjektors ist bewusst einfach gehalten, damit auch Laien sie durchführen können:[2]
Das Antihistaminikum (ein sogenannter H1-Blocker, der die Wirkung von Histamin abschwächt) lindert Hautsymptome wie Urtikaria (Nesselsucht), Juckreiz und Hautrötung (Flush). Es wird zusätzlich zum Adrenalin gegeben, kann die Anaphylaxie aber nicht stoppen. Bei Kindern werden meist flüssige Formen eingesetzt (Cetirizin-Tropfen, Dimetinden-Tropfen), bei Erwachsenen Tabletten (Cetirizin oder Desloratadin).[1]
Die Dosierung richtet sich nach dem Körpergewicht und wird vom Arzt im Notfallplan festgelegt. Häufig wird das Zwei- bis Vierfache der üblichen Tagesdosis als Notfalldosis verordnet.
Das Glukokortikoid (z.B. Prednisolon als Zäpfchen, Saft oder Tablette) wirkt entzündungshemmend und wurde traditionell zur Vorbeugung einer biphasischen Spätreaktion eingesetzt. Neuere Übersichtsarbeiten zeigen allerdings, dass der Nutzen von Glukokortikoiden zur Verhinderung biphasischer Reaktionen nicht gesichert ist.[3] Die DGAKI-Leitlinie empfiehlt die Gabe weiterhin, stuft die Evidenz aber als niedrig ein.[1] Der Wirkungseintritt dauert 30 bis 60 Minuten, weshalb Cortison die Akutsymptome nicht beeinflussen kann. Für Kleinkinder gibt es rektale Zubereitungen (Zäpfchen), die auch bei Erbrechen wirken.
Wenn das Kind oder der Erwachsene zusätzlich an Asthma leidet, gehört ein Salbutamol-Dosieraerosol ins Notfallset. Es erweitert die Bronchien innerhalb weniger Minuten. Bei Kindern wird es oft mit einer Inhalierhilfe (Spacer) verabreicht.[1]
Adrenalin-Autoinjektoren haben eine begrenzte Haltbarkeit, in der Regel 18 bis 24 Monate. Nach Ablauf des Verfallsdatums nimmt die Wirkstoffkonzentration ab.[6] Folgende Punkte sind wichtig:
Für Kinder mit Anaphylaxie-Risiko ist die Absicherung in Kita und Schule entscheidend. Die Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie (GPA) und der DAAB haben dafür standardisierte Notfallpläne und Handlungsempfehlungen entwickelt.[7]
In Deutschland ist jeder Bürger im Notfall zur Ersten Hilfe verpflichtet, soweit dies zumutbar ist und keine Eigengefährdung besteht (§ 323c StGB).[8] Die Verabreichung eines Adrenalin-Autoinjektors gilt als zumutbare Erste-Hilfe-Maßnahme und ist rechtlich abgesichert, wenn folgende Bedingungen erfüllt sind:
Die DGUV (Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung) stellt in ihren Broschüren zur Medikamentengabe in Kindertageseinrichtungen und Schulen klar, dass die Gabe von Notfallmedikamenten bei einem anaphylaktischen Schock keine ärztliche Handlung ist, sondern eine zulässige Notfallmaßnahme.[8][9]
Ein Allergie-Notfallset wird vor allem bei folgenden Allergien verordnet, weil sie ein Anaphylaxie-Risiko mit sich bringen:[1]
Bei Kreuzallergien oder einer Vorgeschichte mit schwerer Reaktion kann der Allergologe auch bei anderen Auslösern ein Notfallset verordnen.
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Bei schweren Allergien mit Anaphylaxie-Risiko ist Ampelo kein Ersatz für die eigene Etikettenprüfung.
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Entferne die Sicherheitskappe, setze den Autoinjektor im 90-Grad-Winkel an die Außenseite des Oberschenkels und drücke fest zu, bis der Auslösemechanismus klickt. Die Haltezeit hängt vom Modell ab (EpiPen/Fastjekt mindestens 3 Sekunden, Jext/Anapen 10 Sekunden). Die Injektion funktioniert auch durch leichte Kleidung hindurch. Rufe danach sofort den Notruf 112.
Die meisten Autoinjektoren sind 18 bis 24 Monate haltbar. Lagere sie bei Raumtemperatur (unter 25 Grad Celsius), nicht im Kühlschrank und nicht in der Sonne. Prüfe regelmäßig das Sichtfenster: Ist die Flüssigkeit klar, ist der Pen in Ordnung. Bei Trübung oder Verfärbung solltest du ihn austauschen, aber im Notfall trotzdem anwenden.
Ja, als Erste-Hilfe-Maßnahme im Notfall ist das möglich und gewollt. Voraussetzung ist idealerweise ein ärztlich unterschriebener Notfallplan, eine schriftliche Ermächtigung der Eltern und eine Einweisung in die Handhabung des konkreten Autoinjektors. Sind diese Bedingungen erfüllt, ist die Verabreichung rechtlich abgesichert.
Immer, wenn du den Adrenalin-Autoinjektor eingesetzt hast, auch wenn sich die Symptome bessern. Außerdem bei Atemnot, Kreislaufproblemen, Bewusstlosigkeit oder wenn Symptome an zwei oder mehr Organsystemen gleichzeitig auftreten (z.B. Hautreaktion plus Atemnot). Sage am Telefon, dass es sich um eine anaphylaktische Reaktion handelt. Bei adrenalinpflichtigen Reaktionen wird in Deutschland häufig eine stationäre Überwachung empfohlen, deren Dauer sich nach Schwere und Verlauf richtet.
Die DGAKI-Leitlinie empfiehlt bei bestimmten Risikofaktoren (z.B. schwere Vorreaktionen, schlechte Erreichbarkeit des Rettungsdienstes, hohes Körpergewicht), zwei Autoinjektoren zu verordnen. In etwa 10 bis 20 Prozent der Anaphylaxien reicht eine Einzeldosis nicht aus. Für Kinder sollte ein Set in der Kita oder Schule und ein zweites zu Hause oder unterwegs verfügbar sein.
Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Verdacht auf eine anaphylaktische Reaktion rufe sofort den Notruf 112 und verwende deinen Adrenalin-Autoinjektor. Ampelo ist ein Orientierungshilfsmittel und kein Medizinprodukt.
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