Süßstoffe: Aspartam, Acesulfam und Stevia im Überblick

Süßstoffe süßen intensiv, fast ohne Kalorien und ohne Zucker. Kaum ein Zusatzstoff wird so kontrovers diskutiert wie Aspartam. Hier erfährst du, welche Süßstoffe es gibt, was EFSA, BfR und die Krebsforschungsagentur IARC tatsächlich sagen und wo der Unterschied zu Zuckeralkoholen liegt.

Stand: Juli 2026

Zuckerfreies Erfrischungsgetränk mit Zitrone und Eis
Foto: Montatip Lilitsanong / Unsplash

Was Süßstoffe sind

Im Alltag meint „Süßstoffe“ meist intensiv süßende Stoffe, von denen schon kleine Mengen genügen. Rechtlich umfasst die Funktionsklasse Süßungsmittel außerdem Polyole wie Sorbit oder Xylit. Die aktuelle EFSA-Übersicht zeigt, welche Stoffe zugelassen sind und wie weit ihre Neubewertung fortgeschritten ist.[1]

Für viele, aber nicht für jeden Süßstoff wird ein ADI festgelegt. Er beschreibt die täglich lebenslang aufnehmbare Menge ohne nennenswertes Gesundheitsrisiko. Fehlt ein Zahlenwert, kann das je nach Datenlage unterschiedliche Gründe haben. Wie Bewertungen funktionieren, erklärt der Ratgeber Lebensmittelzusatzstoffe.

Die wichtigsten Süßstoffe

E-NummerNameBesonderheit
E950Acesulfam-KHitzestabil, oft mit anderen Süßstoffen kombiniert
E951AspartamEnthält Phenylalanin, daher Pflichthinweis
E952CyclamatEiner der älteren Süßstoffe
E954SaccharinDer älteste synthetische Süßstoff
E955SucraloseAus Zucker hergestellt
E960a bis E960dSteviolglycosideAus Stevia, aus Fermentation, enzymatisch hergestellt oder glycosyliert
E961Neotam2025 neu bewertet; laut EFSA kein Sicherheitsbedenken bei derzeit erlaubten Verwendungen

Süßstoffe werden häufig kombiniert, um Süßprofil und technologische Eigenschaften anzupassen. Bei Steviolglycosiden ist die genaue Untergruppe wichtig: E960a stammt aus Stevia, E960b aus Fermentation, E960c wird enzymatisch hergestellt und E960d ist glycosyliert. E960b wurde 2025 neu in die EU-Liste aufgenommen.[6]

Aspartam: was die Behörden tatsächlich sagen

Kein Süßstoff wird so intensiv diskutiert. Ein Blick auf die Bewertungen lohnt sich, weil die Schlagzeilen oft schärfer klingen als die Befunde.

Die EFSA-Bewertung

Die EFSA führte 2013 eine vollständige Risikobewertung durch und bestätigte einen ADI von 40 Milligramm je Kilogramm Körpergewicht und Tag. Sie kam zu dem Schluss, dass Aspartam und seine Abbauprodukte bei den derzeitigen Expositionen für die Allgemeinbevölkerung kein Sicherheitsrisiko darstellen; Menschen mit Phenylketonurie sind davon ausgenommen.[2]

Die IARC-Einstufung 2023

2023 stufte die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) Aspartam als „möglicherweise krebserzeugend“ (Gruppe 2B) ein. Das ist eine Gefahreneinstufung auf Basis begrenzter Evidenz, keine Aussage darüber, wie groß ein Risiko bei einer bestimmten Aufnahmemenge ist.[3]

Parallel bestätigte das FAO/WHO-Sachverständigengremium JECFA den ADI von 40 Milligramm je Kilogramm Körpergewicht. IARC und JECFA beantworten damit unterschiedliche Fragen: mögliche Gefahr einerseits, Risiko bei realer Exposition andererseits.[3]

Was Gruppe 2B bedeutet Die IARC-Gruppen beschreiben die Stärke der Evidenz für eine mögliche krebserzeugende Gefahr, nicht das individuelle Risiko bei einer konkreten Dosis. Für die praktische Einordnung ist deshalb der unveränderte ADI des JECFA ebenso wichtig.

Der Phenylalanin-Hinweis

Aspartam wird unter anderem zu Phenylalanin abgebaut. Bei Aspartam beziehungsweise Aspartam-Acesulfamsalz ist je nach Kennzeichnungsweise ein Phenylalanin-Hinweis vorgeschrieben.[7] Für Menschen mit Phenylketonurie ist er wichtig, weil sie Phenylalanin streng begrenzen müssen; für diese Gruppe gilt die allgemeine Aspartam-Bewertung nicht.

Sucralose (E955): aktuelle EFSA-Bewertung zu Hitze

Im Februar 2026 bestätigte die EFSA für die derzeit zugelassenen Verwendungen von Sucralose einen ADI von 15 Milligramm je Kilogramm Körpergewicht. Eine beantragte Ausweitung auf feine Backwaren konnte sie dagegen nicht als sicher bestätigen: Bei längerer hoher Erhitzung können chlorierte Verbindungen entstehen, und auch eine Bildung beim Kochen oder Backen zu Hause ließ sich nicht ausschließen.[5]

Das ist kein pauschales Verbot von Sucralose. Es unterscheidet zwischen den aktuell zugelassenen Anwendungen und einer zusätzlichen Verwendung bei hohen Temperaturen.

Süßstoffe, Körpergewicht und Diabetes

Ob Süßstoffe beim Abnehmen helfen, lässt sich nicht pauschal beantworten. Das BfR bewertet die Datenlage als uneinheitlich und für einige Bevölkerungsgruppen wie Kinder und Schwangere als begrenzt.[4] Der Austausch von Zucker kann die Energiezufuhr eines einzelnen Produkts senken; daraus folgt nicht automatisch ein langfristiger Gewichtsverlust.

Süßstoffe oder Zuckeralkohole?

Intensive Süßstoffe wirken schon in sehr kleinen Mengen. Polyole wie Sorbit (E420), Xylit (E967) oder Erythrit (E968) unterscheiden sich dagegen deutlich in Süßkraft, Aufnahme und Energiebilanz. Größere Mengen können abführend wirken. Lebensmittel mit mehr als zehn Prozent zugesetzten Polyolen müssen den Hinweis „Kann bei übermäßigem Verzehr abführend wirken“ tragen.[7]

Für Menschen mit Fruktosemalabsorption oder Reizdarm ist dieser Unterschied wichtig, weil Zuckeralkohole zu den FODMAP zählen und Beschwerden auslösen können. Ausführlich liest du das im Ratgeber Zuckeralkohole.

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Häufige Fragen

Ist Aspartam krebserregend?

Die Krebsforschungsagentur IARC stufte Aspartam 2023 als möglicherweise krebserzeugend (Gruppe 2B) ein, räumte aber selbst ein, dass Zufall, Verzerrung oder Störfaktoren nicht auszuschließen waren. Das FAO/WHO-Gremium JECFA fand keinen Hinweis auf ein krebserzeugendes Potenzial und bestätigte die tolerierbare Menge von 40 Milligramm je Kilogramm Körpergewicht.

Wie viel Aspartam ist unbedenklich?

Die EFSA bestätigte 2013 eine tolerierbare Aufnahmemenge von 40 Milligramm je Kilogramm Körpergewicht und Tag und stufte Aspartam als sicher für die Allgemeinbevölkerung ein, einschließlich Säuglingen, Kindern und Schwangeren. Die tatsächliche Aufnahme liegt deutlich darunter.

Warum steht auf manchen Produkten enthält eine Phenylalaninquelle?

Aspartam wird im Körper unter anderem zu Phenylalanin abgebaut. Für Menschen mit der angeborenen Stoffwechselkrankheit Phenylketonurie ist dieser Hinweis wichtig, weil sie eine streng phenylalaninarme Ernährung einhalten müssen. Für alle anderen hat er keine Bedeutung.

Was ist der Unterschied zwischen Süßstoffen und Zuckeralkoholen?

Intensive Süßstoffe wirken schon in sehr kleinen Mengen. Polyole wie Sorbit, Xylit oder Erythrit haben je nach Stoff eine andere Süßkraft und Energiebilanz; größere Mengen können abführend wirken. Rechtlich gehören beide Gruppen zu den Süßungsmitteln.

Was sagt die EFSA 2026 zu Sucralose und Hitze?

Die EFSA bestätigte den ADI von 15 mg/kg Körpergewicht für derzeit zugelassene Verwendungen. Eine Ausweitung auf feine Backwaren konnte sie wegen möglicher chlorierter Verbindungen bei längerer hoher Erhitzung nicht als sicher bestätigen.

Helfen Süßstoffe beim Abnehmen?

Das BfR bewertet die Datenlage zu Süßstoffen und Körpergewicht als uneinheitlich und für einige Gruppen als begrenzt. Der Austausch von Zucker kann die Energiezufuhr eines Produkts senken; daraus folgt nicht automatisch ein langfristiger Gewichtsverlust.

Quellen

  1. EFSA: Sweeteners (aktualisiert 17. Februar 2026). Aktueller Überblick über zugelassene Süßungsmittel und Neubewertungen.
  2. EFSA: Aspartame. Risikobewertung und ADI von 40 mg/kg Körpergewicht.
  3. IARC und WHO: Aspartame hazard and risk assessment results (2023). Gemeinsame Veröffentlichung zur IARC-Einstufung und JECFA-Risikobewertung.
  4. BfR: Süßungsmittel in Lebensmitteln. Deutsche behördliche Einordnung der Evidenz zu Körpergewicht und weiteren Endpunkten.
  5. EFSA: Neubewertung von Sucralose (2026). ADI, aktuell zugelassene Verwendungen und offene Fragen bei hoher Erhitzung.
  6. EU-Verordnung 2025/652. Zulassung und Bezeichnung von E960b sowie Systematik E960a bis E960d.
  7. EU-Verordnung 1169/2011 (LMIV), Anhang III. Phenylalanin- und Polyol-Pflichthinweise.

Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Phenylketonurie, Diabetes oder Fragen zu einer besonderen Ernährung wende dich an deine Ärztin, deinen Arzt oder eine Ernährungsfachkraft. Ampelo ist ein Orientierungshilfsmittel und kein Medizinprodukt.

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