Sellerieallergie: Beifußpollen, Api g 7 und schwere Reaktionen

Sellerie gehört in Nordeuropa zu den wichtigsten Auslösern pflanzlicher Nahrungsmittelallergien und kann besonders schwer verlaufen. Eine neue Komponente, Api g 7, hilft inzwischen, das individuelle Anaphylaxie-Risiko (Risiko einer schweren allergischen Reaktion) besser einzuschätzen.

Stand: April 2026

Frischer Sellerie
Sellerie kommt als Knollen- und Stangensellerie in vielen Gerichten vor.

Eine in Nordeuropa relevante Allergie

Sellerie (Apium graveolens) zählt in Nordeuropa zu den häufigeren Auslösern von Nahrungsmittelallergien mit einer Prävalenz von bis zu 0,45 Prozent bei Erwachsenen.[1] Im europäischen Anaphylaxie-Register NORA war Sellerie für rund sechs Prozent der dokumentierten Anaphylaxien bei Erwachsenen das auslösende Lebensmittel und damit häufiger vertreten, als seine bloße Häufigkeit erwarten ließe.[1] Sellerie gehört zu den 14 kennzeichnungspflichtigen EU-Hauptallergenen und muss genannt werden, wenn er als Zutat enthalten ist, auch in kleinen zugesetzten Mengen wie Gewürzmischungen, Brühen oder Wurstwaren.[2]

Pollen als typischer Vorbote: Birke und Beifuß

Eine Sellerie-Sensibilisierung entsteht häufig als Kreuzreaktion mit Pollen. Die AWMF-Leitlinie stellt klar: Eine Sellerie-Sensibilisierung liegt häufig aufgrund einer Kreuzreaktion mit Birkenpollen und etwas seltener mit Beifußpollen vor.[3]

Bei der birkenassoziierten Form (über das hitzelabile PR-10-Protein Api g 1) stehen meist milde orale Symptome im Vordergrund. Klinisch bedeutsamer ist das Sellerie-Beifuß-Gewürz-Syndrom: Es beschreibt das gemeinsame Auftreten von Sensibilisierungen gegen Beifuß (Artemisia vulgaris), Sellerie und verschiedene Gewürze (Karotte, Petersilie, Anis, Kümmel, Koriander, Fenchel).[4] Auch eine Senfallergie tritt in diesem Kontext gehäuft auf, da Senf zur selben Kreuzreaktionsfamilie gehört.[4] Das Beifuß-assoziierte Api g 7 (ein hitzestabiles Defensin) ist mit einem deutlich höheren Risiko für schwere Reaktionen verbunden.

Api g 7: ein neuer Risikomarker

Forscherinnen am Paul-Ehrlich-Institut haben in den letzten Jahren das Defensin Api g 7 in der Sellerieknolle als wichtigen Akteur identifiziert.[5] Api g 7 reagiert kreuz mit dem Hauptallergen des Beifußpollens, Art v 1, und erklärt die enge Verbindung zwischen Beifußallergie und schweren Sellerie-Reaktionen. In einer aktuellen Studie war Api g 7 bei rund 52 Prozent der untersuchten Patientinnen und Patienten nachweisbar. Das Risiko für schwere anaphylaktische Reaktionen war bei Sensibilisierung gegen Api g 7 etwa sechsmal höher als ohne.[1] Api g 7 ist damit ein vielversprechender Risikomarker für schwere Selleriereaktionen.

Symptome erkennen

Anaphylaxie ist ein Notfall Bei schweren Reaktionen sofort den Notruf 112 wählen. Der verordnete Adrenalin-Autoinjektor wird unverzüglich in den Oberschenkelmuskel injiziert, gefolgt von weiteren Notfallmedikamenten gemäß Anaphylaxie-Notfallplan.[6]

Diagnose: Schritt für Schritt

  1. Anamnese: Welches sellerie- oder gewürzhaltige Produkt, Beifußpollen Sensibilisierung, welche Symptome?
  2. Haut-Prick-Test: Mit Sellerieextrakt und Beifußpollen, ergänzend Prick-to-Prick mit frischem Sellerie.
  3. Spezifisches IgE im Blut: Selleriegesamtextrakt und die Komponente Api g 1 (PR-10, häufig eher mit oralen Symptomen assoziiert). Api g 7 ist wissenschaftlich ein wichtiger Risikomarker, steht aber derzeit nicht überall in der Routinediagnostik zur Verfügung.[7] Ergänzend kann Art v 1 (Beifuß) zur Risikoeinschätzung bestimmt werden.
  4. Orale Provokation: Bei unklarer Diagnose unter ärztlicher Aufsicht in spezialisierten Zentren.

Versteckte Sellerie-Quellen

Sellerie ist in der EU als Hauptallergen kennzeichnungspflichtig. Achte auf folgende Quellen, in denen Sellerie auch in kleinen Mengen relevant ist:

Selbst geringe Mengen Sellerie als Zutat können bei schwerer Allergie ausreichen, um Reaktionen auszulösen. Eine sorgfältige Etikettenprüfung ist deshalb unverzichtbar. Beachte auch freiwillige Spurenhinweise ("Kann Spuren von Sellerie enthalten"), da diese auf mögliche Kreuzkontamination hinweisen. Wichtig: Ein fehlender Spurenhinweis bedeutet nicht automatisch, dass ein Produkt frei von unbeabsichtigten Sellerieeinträgen ist, denn die Angabe ist freiwillig.[8]

Wie Ampelo beim Einkauf helfen kann

Ampelo scannt Barcodes und erkennt Sellerie in allen gängigen Bezeichnungen: Sellerie, Selleriepulver, Selleriesalz und Selleriewürze. Spurenhinweise werden separat angezeigt. Über 200.000 Produkte aus dem deutschen Lebensmittelhandel sind erfasst.

Bei schwerer Sellerie-Allergie mit Anaphylaxie-Risiko ist Ampelo kein Ersatz für die eigene Etikettenprüfung.

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Häufige Fragen

Wie häufig ist Sellerieallergie?

In Nordeuropa bis zu 0,45 Prozent der Erwachsenen. Im NORA-Register war Sellerie bei rund sechs Prozent der Anaphylaxien bei Erwachsenen Auslöser.

Was ist Api g 7?

Ein Sellerie-Defensin, das mit dem Beifußpollen-Hauptallergen Art v 1 kreuzreagiert. Sensibilisierte tragen ein etwa sechsfach erhöhtes Risiko für schwere Reaktionen. Api g 7 ist ein vielversprechender Risikomarker, steht aber noch nicht überall in der Routinediagnostik zur Verfügung.

Hilft Kochen?

Kochen macht Sellerie nicht zuverlässig sicher. Das birkenassoziierte Api g 1 ist zwar hitzelabil, aber das beifußassoziierte Api g 7 (ein Defensin) ist hitzestabil. Studien zeigen, dass auch gekochter Sellerie und Selleriegewürz Reaktionen auslösen können. Bei gesicherter Allergie sollte Sellerie daher meist auch in gekochter Form gemieden werden.

Steht Sellerie auf der Allergenliste?

Ja. Sellerie gehört zu den 14 kennzeichnungspflichtigen EU-Hauptallergenen und muss genannt werden, wenn er als Zutat enthalten ist, auch in kleinen zugesetzten Mengen wie Gewürzmischungen oder Brühen.

Wie hilft Ampelo?

Ampelo kann beim Einkauf eine zusätzliche Orientierung bieten und Sellerie in gängigen Bezeichnungen sowie Spurenhinweise erkennen. Die App ergänzt die eigene Etikettenprüfung, ersetzt sie aber nicht.

Quellen

  1. Paul-Ehrlich-Institut: Neue Erkenntnisse zur Sellerieallergie und deren Risiken. Pressemitteilung 2024. Prävalenz, NORA-Daten, Api g 7 als Risikomarker.
  2. EU-Verordnung Nr. 1169/2011 (LMIV). Kennzeichnung der 14 Hauptallergene einschließlich Sellerie.
  3. AWMF S2k-Leitlinie 061-031: Management IgE-vermittelter Nahrungsmittelallergien. Sellerie-Sensibilisierung häufig birken-, seltener beifußassoziiert.
  4. Allergieinformationsdienst: Nahrungsmittelallergene. Sellerie-Beifuß-Gewürz-Syndrom und Kreuzreaktionsfamilie einschließlich Senf.
  5. Paul-Ehrlich-Institut: Zusammenhang von Sellerieallergie und Beifußpollenallergie. Forschungsmitteilung 2021. Entdeckung von Api g 7.
  6. AWMF S2k-Leitlinie 061-025: Akuttherapie und Management der Anaphylaxie. Intramuskuläre Adrenalingabe in den Oberschenkel, Notruf 112.
  7. Biedermann T et al.: Api g 7, a novel celery allergen associated with severe reactions. JACI (2024). Primärstudie: Api g 7 als Risikomarker, 52 % Sensibilisierung in der Kohorte, sechsfach erhöhtes Anaphylaxierisiko.
  8. Verbraucherzentrale: Was bedeutet "Kann Spuren von... enthalten"? Freiwillige Spurenkennzeichnung: fehlendes Label bedeutet nicht automatisch spurfrei.

Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Verdacht auf eine Sellerieallergie wende dich an eine allergologisch erfahrene Praxis. Bei akuten Reaktionen rufe sofort den Notruf 112 und verwende deinen Adrenalin-Autoinjektor. Ampelo ist ein Orientierungshilfsmittel und kein Medizinprodukt.

Wir recherchieren jeden Artikel sorgfältig und prüfen ihn gegen aktuelle Leitlinien. Wenn dir dennoch ein Fehler auffällt, freuen wir uns über eine Nachricht an kontakt@ampelo.de.