Ob Laktoseintoleranz, Milcheiweißallergie oder persönliche Vorliebe: Pflanzendrinks sind längst fester Bestandteil im Supermarktregal. Doch welcher Drink passt zu dir? Ein Überblick über Nährwerte, Allergene und Geschmack.
Der Markt für pflanzliche Milchalternativen wächst seit Jahren. Für viele Menschen sind gesundheitliche Gründe der Auslöser: Eine Laktoseintoleranz, eine Milcheiweißallergie oder eine vegane Ernährung machen den Umstieg nötig oder gewünscht. Andere greifen aus ökologischen Gründen zum Pflanzendrink. Dabei ist die Auswahl mittlerweile riesig: Hafer, Soja, Mandel, Reis, Kokos, Erbse, Lupine und mehr.
Wichtig zu wissen: Rechtlich dürfen pflanzliche Produkte nicht als "Milch" bezeichnet werden, da der Begriff EU-weit geschützt ist. Im Handel findest du sie deshalb als "Drink" oder "Barista-Edition".[1]
Die Unterschiede zwischen den einzelnen Pflanzendrinks sind erheblich. Die folgende Tabelle zeigt typische Durchschnittswerte für ungesüßte, nicht angereicherte Varianten pro 100 ml. Je nach Hersteller und Rezeptur können die tatsächlichen Werte abweichen.[1][2]
| Drink | kcal | Protein | Fett | Kohlenhydrate | Besonderheit |
|---|---|---|---|---|---|
| Kuhmilch (1,5 %) | 47 | 3,4 g | 1,5 g | 4,9 g | Referenzwert |
| Sojadrink | 33 bis 42 | 3,0 bis 3,8 g | 1,7 bis 2,3 g | 0,5 bis 1,5 g | proteinreichste Alternative |
| Haferdrink | 40 bis 50 | 0,5 bis 1,0 g | 1,0 bis 1,5 g | 6 bis 7 g | beliebtester Pflanzendrink |
| Mandeldrink | 20 bis 30 | 0,4 bis 0,8 g | 1,0 bis 1,5 g | 0,5 bis 1,5 g | kalorienärmste Variante |
| Reisdrink | 47 bis 55 | 0,1 bis 0,3 g | 1,0 bis 1,2 g | 9 bis 10 g | süßlich, besonders allergenarm |
| Kokosdrink | 14 bis 25 | 0,1 bis 0,2 g | 1,0 bis 1,5 g | 0,5 bis 1,5 g | sehr kalorienarm |
Haferdrink ist der meistverkaufte Pflanzendrink in Deutschland. Der Geschmack ist leicht süßlich und getreidig, was ihn vielseitig einsetzbar macht: im Kaffee, im Müsli oder zum Kochen. Hafer enthält Beta-Glucan, einen löslichen Ballaststoff, der zum Erhalt eines normalen Cholesterinspiegels beitragen kann. Der Proteingehalt ist allerdings gering. Außerdem kann Haferdrink auch ohne Zuckerzusatz relativ zuckerreich sein, weil bei der Herstellung Stärke enzymatisch in Zucker umgewandelt wird.[3]
Beachte: Hafer enthält zwar kein klassisches Weizen-Gluten, wird aber in der EU als glutenhaltiges Getreide eingestuft. Für viele Menschen mit Zöliakie kann speziell als glutenfrei gekennzeichneter Hafer verträglich sein, wenn er kontaminationsfrei angebaut und verarbeitet wird. Herkömmliche Haferdrinks ohne dieses Label können dagegen Spuren von Weizen oder Gerste enthalten.[1]
Sojadrink hat das beste Nährstoffprofil unter den Pflanzendrinks: hoher Proteingehalt, gute Aminosäurezusammensetzung, wenig Zucker. Geschmacklich polarisiert er etwas mehr als Hafer. In Barista-Varianten schäumt er gut auf.
Soja ist eines der 14 EU-Hauptallergene und muss in der Zutatenliste immer deklariert werden. Bei einer Sojaallergie kommen Hafer, Reis, Kokos oder Lupine als Alternativen infrage.
Mandeldrink ist kalorienarm und hat einen milden, leicht nussigen Geschmack. Der Nährstoffgehalt ist allerdings gering: Mandeldrinks bestehen zu etwa 2 bis 5 Prozent aus Mandeln, der Rest ist Wasser. Protein und Calcium liefert er ohne Anreicherung kaum. Mandeln gehören zu den Schalenfrüchten (Baumnüssen) und sind damit ein EU-Hauptallergen.[1]
Reisdrink schmeckt mild und natürlich süß. Er gilt als besonders allergenarme Option, da er von Natur aus frei von Soja, Nüssen und Laktose ist (auf glutenfreie Herstellung achten). Nährstofftechnisch liefert er aber vor allem Kohlenhydrate und kaum Protein.[3] Für Säuglinge ist er als Milchersatz nicht geeignet. Bei Kleinkindern (ab einem Jahr) können Pflanzendrinks laut dem Netzwerk Gesund ins Leben genutzt werden, sollten dann aber dem Nährstoffprofil von Kuhmilch möglichst nahekommen und zur Gesamternährung passen.[4]
Kokosdrink ist sehr kalorienarm und hat einen dezent tropischen Geschmack. Protein und Calcium sind ohne Anreicherung kaum vorhanden. Er eignet sich besonders für Currys, Smoothies oder als leichte Alternative im Kaffee. Kokos gehört botanisch nicht zu den Schalenfrüchten (Baumnüssen) und wird bei einer Nussallergie in der Regel vertragen.
Die DGE hat in einem Positionspapier 2024 darauf hingewiesen, dass pflanzliche Milchalternativen ohne Anreicherung die Nährstoffe von Kuhmilch nicht ersetzen können.[2] Vier Nährstoffe stehen dabei besonders im Fokus.
Calcium: Kuhmilch liefert etwa 120 mg Calcium pro 100 ml. Die meisten Pflanzendrinks enthalten ohne Anreicherung nur 5 bis 15 mg. Viele Hersteller setzen deshalb Calciumcarbonat oder Tricalciumphosphat zu, oft in ähnlicher Menge wie in Kuhmilch. Schüttle die Packung vor dem Einschenken gut, damit sich das zugesetzte Calcium gleichmäßig verteilt.
Vitamin B12: B12 kommt natürlicherweise fast ausschließlich in tierischen Lebensmitteln vor. Wer Milchprodukte komplett weglässt, sollte auf B12-angereicherte Drinks achten oder ein Supplement in Betracht ziehen.
Jod: Kuhmilch trägt in Deutschland zur Jodversorgung bei. In pflanzlichen Drinks wird Jod bisher selten zugesetzt. Jodiertes Speisesalz und jodangereicherte Pflanzendrinks sind die verlässlichste Strategie. Manche Produkte enthalten Algen als Jodquelle, doch der Jodgehalt in Algen schwankt stark. Greife daher nur zu Produkten mit ausgewiesenem Jodgehalt und klaren Verzehrhinweisen.[2]
Vitamin B2 (Riboflavin): Auch Riboflavin steckt vor allem in Milchprodukten. Einige angereicherte Pflanzendrinks enthalten es, aber längst nicht alle.
Pflanzendrinks sind laktosefrei und damit bei Laktoseintoleranz geeignet. Aber je nach Zutat bringen sie eigene Allergene mit.
| Drink | EU-Allergen? | Geeignet bei | Nicht geeignet bei |
|---|---|---|---|
| Sojadrink | Ja (Soja) | Laktose, Gluten, Nuss | Sojaallergie |
| Haferdrink | Ja (glutenhaltiges Getreide) | Laktose, Soja, Nuss | Zöliakie (ohne GF-Label) |
| Mandeldrink | Ja (Schalenfrüchte) | Laktose, Soja, Gluten | Nussallergie |
| Reisdrink | Nein | Laktose, Soja, Nuss, Gluten | kaum Einschränkungen |
| Kokosdrink | Nein | Laktose, Soja, Nuss, Gluten | kaum Einschränkungen |
Prüfe bei Allergien und Unverträglichkeiten immer das Etikett: Manche Hersteller produzieren verschiedene Drinks auf denselben Anlagen, sodass Spurenhinweise wie "Kann Spuren von Soja/Schalenfrüchten enthalten" möglich sind.[1]
Nicht jeder Pflanzendrink passt zu jedem Einsatzzweck. Hier eine Orientierung.
Im Durchschnitt verursachen Pflanzendrinks weniger Treibhausgase, benötigen weniger Fläche und meist auch weniger Wasser als Kuhmilch. Je nach Rohstoff und Herkunft gibt es aber deutliche Unterschiede: Hafer und Soja aus europäischem Anbau schneiden besonders gut ab, während Mandel- und Reisdrink vor allem beim Wasserverbrauch höhere Werte aufweisen.[5]
Wer neben der Gesundheit auch die Umwelt im Blick hat, liegt mit Hafer oder Soja aus europäischem Anbau in der Regel am besten.
Barcode scannen, sofort sehen: Ampelo kann in Pflanzendrinks die gängigen Allergene erkennen wie Soja, Schalenfrüchte (Mandel, Cashew, Haselnuss), glutenhaltiges Getreide und Milchbestandteile. Die App zeigt dir per Ampel, ob ein Produkt zu deinem Profil passt. Über 200.000 Produkte aus dem deutschen Lebensmittelhandel sind erfasst.
Ampelo ist kostenlos, ohne Werbung und ohne Anmeldung.
Ampelo kostenlos testenSojadrink liegt mit etwa 3 bis 4 g Eiweiß pro 100 ml am nächsten an Kuhmilch und liefert zudem alle essenziellen Aminosäuren. Hafer, Mandel, Reis und Kokos enthalten deutlich weniger Protein.
Nicht automatisch. Pflanzendrinks enthalten weniger gesättigte Fettsäuren, aber ohne Anreicherung fehlen ihnen oft Calcium, Jod, Vitamin B2 und B12. Achte auf angereicherte Varianten oder decke diese Nährstoffe über andere Lebensmittel ab.
Das hängt von der jeweiligen Allergie ab. Bei Sojaallergie eignen sich Hafer, Reis oder Kokos. Bei Nussallergie sind Soja, Hafer, Reis oder Kokos eine Option. Bei Glutenunverträglichkeit kommen Soja, Mandel, Kokos oder Reis infrage. Reisdrink enthält von Natur aus weder Soja noch Nüsse und kann bei bestimmten Allergien eine Option sein.
Achte auf die Anreicherung mit Calcium, Vitamin B12 und Vitamin D, auf den Zuckergehalt (ungesüßte Varianten bevorzugen) und prüfe die Zutatenliste auf Aromen und Zusatzstoffe. Ein kurzes Zutatenverzeichnis ist meist ein gutes Zeichen.
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Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Allergien oder Unverträglichkeiten wende dich an eine Ärztin, einen Arzt oder eine qualifizierte Ernährungsfachkraft. Ampelo ist ein Orientierungshilfsmittel und kein Medizinprodukt.
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