Normales Bier ist bei Zöliakie tabu, so viel ist klar. Aber was ist mit glutenentferntem Bier? Und sind Wein und Spirituosen wirklich unbedenklich? Dieser Artikel zeigt dir, worauf du achten musst.
Bier wird traditionell aus Gerste, Weizen oder Roggen gebraut. Alle drei Getreidearten enthalten Gluten, genauer gesagt Prolamine (Hordein in Gerste, Gliadin in Weizen, Secalin in Roggen), die bei Zöliakie eine Immunreaktion auslösen.[1] Das deutsche Reinheitsgebot schreibt Gerstenmalz als Grundzutat vor, weshalb nahezu jedes konventionelle Bier in Deutschland Gluten enthält.
Der Glutengehalt schwankt je nach Sorte und Messmethode erheblich. Als grobe Orientierung: Weizenbier liegt häufig bei über 200 mg pro Liter, helle Lagerbiere eher im Bereich von 30 bis 80 mg/l.[2][3] Zum Vergleich: Der EU-Grenzwert für die Kennzeichnung als glutenfrei beträgt 20 mg pro Kilogramm (also 20 ppm). Selbst ein helles Lager überschreitet diesen Wert um ein Vielfaches.
| Biersorte | Typischer Glutengehalt | Geeignet bei Zöliakie? |
|---|---|---|
| Weizenbier | häufig über 200 mg/l | Nein |
| Helles / Lager | ca. 30 bis 80 mg/l | Nein |
| Pilsner | ca. 20 bis 60 mg/l | Nein |
| Stout / Porter | ca. 30 bis 80 mg/l | Nein |
| Glutenentfernt (enzymatisch) | unter 20 ppm (Messung unsicher) | Umstritten |
| Glutenfrei (aus Hirse, Reis etc.) | unter 20 ppm | Ja |
Im Supermarkt stehen mittlerweile verschiedene Biere, die auf der Verpackung als glutenfrei beworben werden. Hinter diesem Begriff verbergen sich jedoch zwei grundlegend verschiedene Herstellungsverfahren.
Diese Biere werden von Anfang an ohne glutenhaltiges Getreide gebraut. Als Rohstoffe dienen Hirse, Reis, Buchweizen, Mais oder Pseudogetreide wie Quinoa. Da keine Prolamine ins Bier gelangen, liegt der Glutengehalt zuverlässig unter 20 ppm.[1] Für Menschen mit Zöliakie ist das die sichere Variante.
Hier wird zunächst ganz normal aus Gerstenmalz gebraut. Anschließend werden Enzyme (vor allem Prolyl-Endopeptidase, bekannt unter dem Handelsnamen Brewers Clarex) zugesetzt, die Glutenproteine in kleinere Bruchstücke spalten.[3] Diese Bruchstücke werden von der gängigen Testmethode (R5 Sandwich-ELISA) schlechter erkannt, weshalb das Ergebnis unter 20 ppm liegen kann, obwohl immunreaktive Peptide im Bier verbleiben.
Der R5 Sandwich-ELISA ist die offizielle Referenzmethode, um Gluten in Lebensmitteln nachzuweisen. Bei intaktem Gluten funktioniert er zuverlässig. Bei enzymatisch behandeltem Bier stößt er an seine Grenzen, denn die Enzyme spalten genau die Proteinstrukturen, die der Test erkennt. Das Ergebnis kann dadurch fälschlich niedrig ausfallen.[2]
Für fermentierte und hydrolysierte Produkte gibt es den R5 competitive ELISA, der auch kleinere Glutenfragmente erfasst. Dieser Test ist genauer, wird aber nicht immer eingesetzt. Studien mit Massenspektrometrie (LC-MS/MS) haben gezeigt, dass in glutenentferntem Bier immunreaktive Peptide nachweisbar bleiben, die bei Zöliakie eine T-Zell-Antwort auslösen können.[3]
Eine Antikörperstudie zeigte, dass Probanden mit Zöliakie auf glutenentferntes Bier eine Immunreaktion entwickelten, nicht aber auf Bier aus glutenfreien Zutaten.[4] Das spricht dafür, dass die enzymatische Behandlung nicht alle relevanten Peptide zerstört.
Die EU-Verordnung 828/2014 kennt zwei Kategorien: "glutenfrei" (maximal 20 mg/kg) und "sehr niedriger Glutengehalt" (maximal 100 mg/kg). Die zweite Kategorie ist für Produkte aus speziell verarbeiteten glutenhaltigen Zutaten vorgesehen, also genau die Situation bei enzymatisch behandeltem Bier.[5] In der Praxis tragen aber viele glutenentfernte Biere trotzdem das Label "glutenfrei", weil der Labortest unter 20 ppm ergibt. Ob der Test das tatsächliche Risiko korrekt abbildet, ist bei hydrolysierten Produkten umstritten.
Die USA gehen einen anderen Weg: Die FDA erlaubt das Label glutenfrei seit 2020 nur noch bei Produkten aus glutenfreien Ausgangszutaten. Bei fermentierten und hydrolysierten Produkten verlässt sie sich nicht auf den direkten Glutennachweis im Endprodukt, sondern verlangt vom Hersteller den Nachweis, dass die Ausgangszutaten glutenfrei waren.[4] Enzymatisch behandelte Biere dürfen sich dort nur als "crafted to remove gluten" bezeichnen.
In der Praxis bedeutet das für dich als Verbraucher in Deutschland: Das Wort glutenfrei auf dem Etikett allein reicht nicht aus. Du musst prüfen, ob das Bier aus glutenfreien Zutaten gebraut wurde oder ob Gluten nachträglich enzymatisch entfernt wurde.
Die gute Nachricht: Viele alkoholische Getränke sind bei Zöliakie unproblematisch, weil sie entweder kein Getreide enthalten oder Gluten durch Destillation entfernt wird.
Wein, Sekt, Prosecco und Champagner werden aus Trauben hergestellt und sind von Natur aus glutenfrei.[1] Die DZG stuft sie als sicher ein. Gleiches gilt für Cidre (aus Äpfeln) und Met (aus Honig).
Reine Spirituosen wie Wodka, Gin, Rum, Tequila und Cognac sind ebenfalls glutenfrei, selbst wenn das Ausgangsmaterial glutenhaltiges Getreide ist: Bei der Destillation verdampft der Alkohol, während Glutenproteine als große Moleküle im Rückstand bleiben.[1] Auch Korn und Whiskey gelten aus diesem Grund als sicher.
Bei aromatisierten Spirituosen, Likören und Mischgetränken (Alcopops, Cocktails) ist Vorsicht geboten. Nach der Destillation können glutenhaltige Aromastoffe, Zusätze oder Malzextrakt hinzugefügt werden.[1] Hier hilft ein Blick auf die Zutatenliste. Auch Bierliköre, Biermischgetränke und Malzbier enthalten in der Regel Gluten.
| Getränk | Glutenstatus | Hinweis |
|---|---|---|
| Wein, Sekt, Prosecco | Glutenfrei | Aus Trauben, kein Getreide |
| Wodka, Gin, Rum, Tequila | Glutenfrei | Destillation entfernt Gluten |
| Whiskey, Korn | Glutenfrei | Trotz Getreidebasis durch Destillation sicher |
| Cidre, Met | Glutenfrei | Aus Äpfeln bzw. Honig |
| Aromatisierte Liköre | Prüfen | Zusätze nach Destillation möglich |
| Bierliköre, Biermischgetränke | Glutenhaltig | Enthalten Bier als Zutat |
| Malzbier | Glutenhaltig | Aus Gerstenmalz gebraut |
Das Angebot an glutenfreien Bieren wächst. Inzwischen gibt es sowohl im Supermarkt als auch online verschiedene Marken, die aus glutenfreien Rohstoffen brauen. Einige Beispiele sind Biere auf Basis von Hirse, Reis oder Buchweizen. Beim Kauf solltest du auf folgende Punkte achten:
Ob im Restaurant, bei Freunden oder beim Einkauf: Mit Zöliakie stellen sich rund um Alkohol immer wieder Fragen. Diese Tipps helfen dir im Alltag:
Wenn du nach dem Konsum von als glutenfrei deklariertem Bier Beschwerden bekommst (Bauchschmerzen, Durchfall, Blähungen), kann das ein Hinweis sein, dass das Produkt doch Glutenreste enthält. Besprich das mit deiner Gastroenterologie und notiere Produkt und Symptome. Beachte, dass eine einzelne tTG-Antikörperkontrolle unter glutenfreier Diät nicht immer aussagekräftig ist: Die Antikörper erfassen eine persistierende Schleimhautschädigung unter glutenfreier Ernährung nur unzuverlässig.[1]
Beachte außerdem: Alkohol kann unabhängig von Gluten die Darmschleimhaut reizen und die Durchlässigkeit erhöhen.[3] Wenn du nach der Zöliakie-Diagnose noch in der Heilungsphase bist, kann es sinnvoll sein, Alkohol generell in Maßen zu konsumieren.
Ampelo scannt Barcodes und erkennt Gluten in allen gängigen Formen, auch in Verbindungen wie Malzextrakt, Weizenstärke oder Gerstenmalz. Spurenhinweise werden separat angezeigt. Über 200.000 Produkte sind erfasst. Hinweis: Glukosesirupe, Dextrose und Maltodextrine auf Weizenbasis gelten aufgrund ihrer Verarbeitung als glutenfrei und sind EU-rechtlich von der Allergenkennzeichnung ausgenommen.
Ampelo ist ein Orientierungshilfsmittel und ersetzt nicht die Zertifizierung durch die DZG oder die ärztliche Begleitung.
Ampelo ist kostenlos, ohne Werbung und ohne Anmeldung.
Ampelo kostenlos testenNicht unbedingt. Glutenentferntes Bier wird aus Gerstenmalz gebraut und nachträglich mit Enzymen behandelt. Aktuelle Testmethoden können hydrolysiertes Gluten nicht zuverlässig messen, und Studien zeigen, dass Immunreaktionen bei Betroffenen möglich sind. Die DZG rät bei gesicherter Zöliakie von glutenentferntem Bier ab. Die FDA erlaubt bei hydrolysierten Produkten kein Vertrauen auf den Endprodukttest, sondern verlangt den Nachweis glutenfreier Ausgangszutaten.
Nur Bier, das aus glutenfreien Zutaten wie Hirse, Reis, Buchweizen oder Mais gebraut wurde und als glutenfrei gekennzeichnet ist (unter 20 ppm). Achte vor allem auf die Zutatenliste und die Formulierung 'gebraut aus glutenfreien Zutaten'. Die durchgestrichene Ähre allein reicht bei Bier nicht aus, da das Symbol auch auf hydrolysierten Bieren aus Gerste vergeben wird. Glutenentferntes Bier ist nicht sicher genug.
Normales Bier enthält je nach Sorte und Messmethode unterschiedlich viel Gluten. Weizenbier liegt häufig bei über 200 mg pro Liter, helle Lagerbiere eher im Bereich von 30 bis 80 mg/l. Schon geringe Mengen reichen aus, um bei Zöliakie eine Immunreaktion auszulösen.
Ja. Wein, Sekt, Prosecco und Champagner werden aus Trauben hergestellt und sind von Natur aus glutenfrei. Auch reine Spirituosen wie Wodka, Gin, Rum und Cognac gelten als glutenfrei, da die Destillation Gluten entfernt. Vorsicht ist bei aromatisierten Likören oder Mischgetränken geboten.
In der EU darf ein Produkt als glutenfrei gelten, wenn es im Labortest unter 20 ppm Gluten enthält. Daneben gibt es die Kategorie 'sehr niedriger Glutengehalt' (bis 100 ppm) für speziell verarbeitete glutenhaltige Zutaten. Ob der Labortest bei enzymatisch behandeltem Bier das tatsächliche Risiko korrekt abbildet, ist umstritten. In den USA ist die Regelung strenger: Die FDA erlaubt das Label glutenfrei nur bei Produkten aus glutenfreien Zutaten und stützt sich bei fermentierten Produkten auf Herstellernachweise statt auf den Glutentest im Endprodukt.
Die durchgestrichene Ähre ist das Lizenzzeichen der Europäischen Zöliakiegesellschaften (AOECS). Produkte mit diesem Symbol wurden auf Glutenfreiheit geprüft und enthalten unter 20 ppm Gluten. Bei den meisten Lebensmitteln bietet es hohe Sicherheit. Bei Bier ist die Lage komplexer: Die AOECS lizenziert bewusst auch bestimmte hydrolysierte Biere aus Gerste. Wer maximal vorsichtig sein will, sollte bei Bier zusätzlich auf die Rohstoffe achten.
Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Verdacht auf Zöliakie oder anhaltenden Beschwerden nach Alkoholkonsum wende dich an deine Gastroenterologie. Ampelo ist ein Orientierungshilfsmittel und kein Medizinprodukt.
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