Der H2-Atemtest ist das Standardverfahren, um Unverträglichkeiten gegenüber Laktose, Fruktose oder Sorbit abzuklären. Er ist schmerzfrei, gut standardisiert und kombiniert objektive Messwerte mit der persönlichen Symptomatik.
Beim Wasserstoffatemtest macht sich die Medizin eine einfache Tatsache zunutze: Der menschliche Körper bildet von sich aus keinen Wasserstoff. Wenn ein Zucker, etwa Laktose, im Dünndarm nicht vollständig aufgenommen wird, gelangt er in den Dickdarm. Dort vergären ihn Bakterien und setzen dabei Wasserstoff frei. Derselbe Mechanismus liegt der Fruktosemalabsorption und der Sorbitmalabsorption zugrunde[1]. Dieser Wasserstoff wird ins Blut aufgenommen und über die Lunge abgeatmet. Steigt die Wasserstoffkonzentration in der Atemluft nach dem Trinken einer Zuckerlösung deutlich an, ist das ein zuverlässiger Hinweis auf eine Malabsorption[1].
Der Test wird in gastroenterologischen Praxen und Kliniken angeboten. Er dauert etwa zwei bis drei Stunden, ist schmerzfrei und ohne Strahlenbelastung. Der Ablauf orientiert sich an internationalen Konsensempfehlungen[2].
| Test | Substanz | Dosis | Hinweis auf |
|---|---|---|---|
| Laktose | Milchzucker | 25 bis 50 Gramm in Wasser | Laktoseintoleranz |
| Fruktose | Fruchtzucker | 25 Gramm in Wasser | Fruktosemalabsorption |
| Sorbit | Zuckeralkohol | 5 bis 10 Gramm in Wasser | Sorbitintoleranz |
| Glukose | Traubenzucker | 50 bis 75 Gramm in Wasser | Dünndarmfehlbesiedlung (SIBO) |
| Laktulose | Synthetisches Disaccharid (Fruktose und Galaktose) | 10 Gramm in Wasser | Dünndarmfehlbesiedlung (SIBO) |
Die Atemtests für Laktose, Fruktose und Sorbit sind diagnostisch gut etabliert. Für die SIBO-Diagnostik (Dünndarmfehlbesiedlung, also eine übermäßige Besiedlung des Dünndarms mit Bakterien) ist die Evidenzlage dagegen deutlich schwächer: Die ACG-Leitlinie spricht hier nur eine bedingte Empfehlung bei sehr niedriger Evidenzqualität aus[3]. In der Praxis wird bei nicht operierten Patientinnen und Patienten eher der Glukose-Atemtest bevorzugt, weil der Laktulose-Atemtest anfälliger für falsch positive Ergebnisse durch schnellen Darmtransit ist[2]. Der North American Consensus empfiehlt Atemtests ausdrücklich nicht zur Bestimmung der oro-zökalen Transitzeit (also der Dauer, die Nahrung vom Magen bis zum Dickdarm braucht)[2].
Eine saubere Vorbereitung ist der wichtigste Faktor für ein verwertbares Ergebnis. Schon kleine Fehler können den Test verfälschen. Die folgenden Empfehlungen orientieren sich an den gängigen Vorbereitungsanleitungen gastroenterologischer Zentren[4]. Deine Praxis gibt dir in der Regel ein eigenes Merkblatt mit, das zusätzlich verbindlich ist.
Ein Anstieg der Wasserstoffkonzentration um 20 ppm oder mehr über den Ausgangswert innerhalb der Testzeit gilt international als positiv[2]. Unterhalb von 20 ppm ist die Bewertung uneinheitlicher und wird im Zusammenhang mit den Symptomen interpretiert. Entscheidend ist nicht der Zahlenwert allein, sondern die Kombination aus messbarer Malabsorption und tatsächlich auftretenden Beschwerden. Nur dann spricht man von einer klinisch relevanten Intoleranz.
Je nach Studie und Population tragen etwa 3 bis 25 Prozent der Menschen methanogene Archaeen im Darm, die den Wasserstoff in Methan umwandeln[5]. Bei ihnen bleibt die Wasserstoffkurve flach, obwohl eine Malabsorption vorliegt. Diese Personen werden Non Responder genannt. Moderne Geräte messen deshalb zusätzlich Methan (CH4) im Atem, was die Trefferquote deutlich erhöht. Als auffällig gilt ein Methanwert von 10 ppm oder mehr zu irgendeinem Zeitpunkt während des Tests[2].
Eine klinisch relevante Intoleranz. Die Ernährungstherapie kann gezielt beginnen, meist in einem Drei-Phasen-Modell aus Karenz, Testphase und individueller Dauerernährung.
Du kannst den Zucker nicht vollständig verwerten, verträgst die getestete Menge aber ohne Beschwerden. Eine strikte Diät ist nicht notwendig. Mögliche Beschwerden sollten aber beobachtet werden.
Eine Malabsorption ist unwahrscheinlich. Die Ursache liegt eher im Reizdarm, einer Motilitätsstörung, einer anderen Intoleranz oder einer entzündlichen Erkrankung. Weitere Diagnostik ist sinnvoll.
Keine Malabsorption der getesteten Substanz. Fertig.
Bei akuten Infekten, kurz nach Antibiotikatherapie, nach einer Koloskopie oder bei stark verändertem Darmmikrobiom sollte der Test verschoben werden. In Schwangerschaft und Stillzeit ist er prinzipiell möglich, sollte aber nur bei klarer Indikation erfolgen.
Der H2-Atemtest ist grundsätzlich im Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) als GOP 02401 enthalten[7]. Ob und welche Testsubstanz abgerechnet wird, hängt von Indikation und Praxis ab. Einen detaillierten Überblick über die Kosten von Allergietests findest du in unserem separaten Ratgeber. Als individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) variieren die Kosten je nach Praxis und Testsubstanz. Frage am besten vorab in deiner Praxis nach.
Ein positiver Testbefund ist der Startpunkt einer strukturierten Ernährungstherapie, keine endgültige Verurteilung zu lebenslangem Verzicht. Die Therapie folgt in der Regel drei Phasen. Zuerst eine Karenzphase von zwei bis vier Wochen, in der die Beschwerden abklingen. Dann eine Testphase, in der Lebensmittel schrittweise wieder eingeführt werden, um die individuelle Toleranzgrenze zu finden. Schließlich eine Dauerernährung, die möglichst vielfältig ist und die persönliche Verträglichkeit berücksichtigt. Eine zertifizierte Ernährungsberatung kann diesen Prozess begleiten.
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Ampelo kostenlos testenMeist zwei bis drei Stunden, mit Messungen im Abstand von 15 bis 30 Minuten nach einer Nüchtern-Ausgangsmessung.
Nein. Du trinkst eine Zuckerlösung und pustest in ein Messgerät. Beschwerden wie Blähungen oder leichte Krämpfe können während des Tests auftreten und sind sogar Teil der Auswertung.
Nein, du musst nüchtern erscheinen. Wasser ist erlaubt.
Der Test ist auch für Kinder möglich. Die Zuckerdosis wird nach Körpergewicht angepasst, und die Durchführung erfordert etwas mehr Geduld.
Weil je nach Studie 3 bis 25 Prozent der Menschen methanogene Archaeen im Darm tragen. Bei ihnen liefert der reine H2 Test falsch negative Ergebnisse. Eine parallele Methanmessung schließt diese Lücke. Als auffällig gilt ein Methanwert von 10 ppm oder mehr zu irgendeinem Zeitpunkt.
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Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Beratung. Ein H2-Atemtest gehört in die Hände einer gastroenterologischen Praxis. Bei Verdacht auf HFI ist ein Fruktose-Atemtest kontraindiziert. Wende dich bei Fragen an deine Hausarztpraxis oder eine qualifizierte Ernährungsfachkraft. Ampelo ist ein Orientierungshilfsmittel und kein Medizinprodukt.
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