Glukose-Fruktose-Sirup (HFCS): Was steckt drin und worauf es ankommt

Er trägt verschiedene Namen und kommt vor allem in süßen und stark verarbeiteten Produkten vor. Für Menschen mit Fruktosemalabsorption kann er je nach Zusammensetzung relevant sein. Hier erfährst du, was Glukose-Fruktose-Sirup genau ist, worauf es ankommt und wie du ihn auf der Zutatenliste erkennst.

Stand: April 2026

Maissirup als Süßungsmittel
Glukose-Fruktose-Sirup wird aus Maisstärke gewonnen.

Was ist Glukose-Fruktose-Sirup?

Glukose-Fruktose-Sirup ist ein flüssiger Süßstoff, der industriell aus Stärke hergestellt wird, meist aus Mais, seltener aus Weizen. In mehreren enzymatischen Schritten wird die Stärke zunächst in Glukose gespalten. Anschließend wandelt das Enzym Glukoseisomerase einen Teil der Glukose in Fruktose um. Je nach Verfahren entstehen Sirupe mit unterschiedlich hohem Fruktoseanteil.

Die verwirrende Namensgebung

In der EU richtet sich die Bezeichnung nach dem Fruktoseanteil:

BezeichnungFruktoseanteilGlukoseanteil
GlukosesirupUnter 5 ProzentÜberwiegend Glukose
Glukose-Fruktose-Sirup5 bis 50 ProzentGlukose überwiegt
Fruktose-Glukose-SirupÜber 50 ProzentFruktose überwiegt
FruktosesirupÜber 95 ProzentMinimal
IsoglukoseAb 10 ProzentIndustriebegriff

In den USA spricht man von High Fructose Corn Syrup (HFCS). Laut FDA enthält HFCS 42 rund 42 Prozent Fruktose (Glukose überwiegt) und wird vor allem in Backwaren eingesetzt, während HFCS 55 rund 55 Prozent Fruktose enthält (Fruktose überwiegt) und typisch für Softdrinks ist[1]. In der EU sind die Isoglukosequoten im Rahmen der Zuckermarktreform zum 1. Oktober 2017 weggefallen[2]. In Deutschland ist Isoglukose aber kein Massenbestandteil aller Lebensmittel. Häufiger betroffen sind vor allem Backwaren, Süßwaren, Desserts und Milchprodukte.

Wann Glukose-Fruktose-Sirup bei Fruktosemalabsorption relevant wird

Menschen mit Fruktosemalabsorption können nur eine begrenzte Menge Fruktose pro Mahlzeit aufnehmen. Der Rest wandert in den Dickdarm und wird dort von Bakterien fermentiert, was Blähungen, Bauchschmerzen und Durchfall verursacht.

Entscheidend ist dabei das Verhältnis von Glukose zu Fruktose. Glukose verbessert die Aufnahme von Fruktose im Dünndarm über einen Co Transport Mechanismus. Ist genug Glukose da, wird auch mehr Fruktose resorbiert. Liegt Fruktose aber im Überschuss vor (sogenannter Fruktose-Exzess), gelangt die überschüssige Fruktose in den Dickdarm[3].

Nicht alle Sirupe sind gleich Problematisch sind vor allem fruktosereiche Varianten mit Fruktoseüberschuss: Fruktose-Glukose-Sirup (über 50 Prozent Fruktose) und HFCS 55. Glukose-Fruktose-Sirup mit Glukoseüberhang (z. B. HFCS 42 oder EU Varianten mit 8 bis 30 Prozent Fruktose) ist je nach Zusammensetzung oft weniger kritisch. Bei normaler Saccharose (Haushaltszucker) ist das Verhältnis exakt 50 zu 50.

In der Monash FODMAP Forschung werden insbesondere Lebensmittel mit viel Fruktose und wenig Glukose als problematisch eingestuft[3].

In welchen Produkten kann Glukose-Fruktose-Sirup vorkommen?

Auf dem deutschen Markt ist Glukose-Fruktose-Sirup nicht in jedem Produkt enthalten, kommt aber in bestimmten Produktgruppen regelmäßig vor. Die folgenden Kategorien können betroffen sein:

Getränke

Süßigkeiten und Desserts

Brotaufstriche und Konserven

Pikante Fertigprodukte

Frühstücksprodukte

Protein und Diät Produkte

So erkennst du Glukose-Fruktose-Sirup auf der Zutatenliste

In der EU steht auf Zutatenlisten typischerweise Glukose-Fruktose-Sirup (wenn Glukose überwiegt) oder Fruktose-Glukose-Sirup (wenn Fruktose überwiegt)[4]. Isoglukose ist eher der Oberbegriff und taucht selten auf der Verpackung auf. Achte vor allem auf diese Bezeichnungen:

Der Begriff "Fruchtsüße" ist unscharf und nicht automatisch mit Glukose-Fruktose-Sirup gleichzusetzen. Er wird oft für Fruchtkonzentrate verwendet und ist eher eine Werbeaussage als eine präzise Zutatenbezeichnung. Trotzdem kann dahinter ein hoher Fruktosegehalt stecken.

Andere Sirupe mit hohem Fruktose Anteil

Nicht nur HFCS ist bei Fruktosemalabsorption problematisch. Auch scheinbar natürliche Süßungsmittel enthalten teils mehr Fruktose als Glukose:

Entscheidend ist dabei nicht die absolute Menge, sondern das Verhältnis. Solange Glukose mindestens so viel enthält wie Fruktose, wird die Fruktose über den GLUT2 Transporter gut aufgenommen. Sobald Fruktose überwiegt, entsteht ein Überschuss, der Beschwerden auslöst.

SüßungsmittelFruktose AnteilGlukose AnteilBewertung bei FM
Agavendicksaft70 bis 90 Prozent10 bis 20 ProzentSehr problematisch
Honig38 Prozent31 ProzentProblematisch (Überschuss)
Apfeldicksaftca. 60 Prozentca. 25 ProzentProblematisch
Birnendicksaftca. 65 Prozentca. 20 ProzentProblematisch
HFCS 5555 Prozent42 ProzentProblematisch
HFCS 4242 Prozent53 ProzentGrenzwertig, leichter Glukose Überhang
Rübenzucker (Saccharose)50 Prozent50 ProzentMeist moderat verträglich
Glukose-Fruktose-Sirup (EU)5 bis 50 Prozent50 bis 95 ProzentJe nach Anteil variabel
GlukosesirupUnter 5 ProzentÜber 95 ProzentMeist gut verträglich
Reissirup0 Prozentbis 100 Prozent (Maltose/Glukose)Unproblematisch
Traubenzucker (Dextrose)0 Prozent100 ProzentUnproblematisch

Die Werte beziehen sich auf den Trockenmasseanteil und variieren je nach Sorte, Herkunft und Herstellungsverfahren. Entscheidend für die Verträglichkeit ist immer das Verhältnis zwischen Fruktose und Glukose im fertigen Produkt[5].

Gesundheitsbewertung jenseits der Fruktosemalabsorption

Für die Allgemeinbevölkerung bewertet das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) Isoglukose und Saccharose hinsichtlich ihres gesundheitlichen Gefährdungspotenzials als gleichartig[6]. Die Sorge um HFCS als besonders ungesunden Süßstoff ist also in dieser Allgemeinheit nicht belegt. Für Menschen mit Fruktosemalabsorption kann die konkrete Zusammensetzung aber sehr wohl einen Unterschied machen, weil ein Fruktoseüberschuss direkt Beschwerden auslöst.

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Häufige Fragen

Ist Glukosesirup das Gleiche wie Glukose-Fruktose-Sirup?

Nein. Glukosesirup enthält fast nur Glukose und ist bei Fruktosemalabsorption meist unproblematisch. Glukose-Fruktose-Sirup hat zwischen 5 und 50 Prozent Fruktose, Fruktose-Glukose-Sirup sogar über 50 Prozent.

Ist HFCS ungesünder als Haushaltszucker?

Das BfR bewertet Isoglukose und Saccharose hinsichtlich des gesundheitlichen Gefährdungspotenzials als gleichartig. Für Menschen mit Fruktosemalabsorption kann aber die konkrete Zusammensetzung einen Unterschied machen, weil fruktosereiche Varianten direkt Beschwerden auslösen.

Wie verbreitet ist HFCS in Deutschland?

In Deutschland ist Glukose-Fruktose-Sirup kein Massenbestandteil aller Lebensmittel. Er kommt aber in bestimmten Produktgruppen vor, vor allem in Backwaren, Süßwaren, Desserts und Milchprodukten. Seit 2017 gibt es in der EU keine Mengenbegrenzung mehr.

Ist Agavendicksaft gesünder als Haushaltszucker?

Nein. Er hat einen sehr hohen Fruktoseanteil und ist bei Fruktosemalabsorption eine der schlechtesten Alternativen. Auch für den Stoffwechsel bietet er keine klaren Vorteile.

Kann ich kleine Mengen HFCS bei Fruktosemalabsorption vertragen?

Das hängt von deiner individuellen Toleranz ab. Viele Betroffene reagieren aber schon auf kleine Mengen freier Fruktose deutlich. Ein Symptomtagebuch hilft die eigene Grenze zu finden.

Was ist Fruchtsüße?

Ein unscharfer Begriff, oft verwendet für konzentrierte Fruchtzubereitungen aus Apfel oder Birne. Fruchtsüße ist nicht automatisch mit Glukose-Fruktose-Sirup gleichzusetzen, kann aber einen hohen Fruktosegehalt haben und ist bei Fruktosemalabsorption potenziell problematisch.

Quellen

  1. FDA: High Fructose Corn Syrup Questions and Answers. Definitionen von HFCS 42 und HFCS 55 mit typischen Einsatzbereichen.
  2. European Commission: End of EU sugar production quotas (MEMO/17/3488). Wegfall der EU Isoglukosequoten zum 1. Oktober 2017.
  3. Monash University FODMAP: Frequently Asked Questions. Erklärung des Fruktose Glukose Verhältnisses und des Fruktose-Exzess Mechanismus.
  4. Europäisches Parlament: Antwort zur Kennzeichnung von Isoglukose (E-005087/2017). EU Regelung zur Benennung von Glukose-Fruktose-Sirup und Fruktose-Glukose-Sirup auf Zutatenlisten.
  5. Fructose Content in Common Sweeteners (PMC 2022). Fruktosegehalt verschiedener Süßungsmittel einschließlich Agavendicksaft (70 bis 90 Prozent).
  6. BfR: Isoglukose und Saccharose sind hinsichtlich des Gefährdungspotenzials gleichartig einzuschätzen. Stellungnahme Nr. 025/2018.

Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche oder ernährungstherapeutische Beratung. Bei Fruktosemalabsorption solltest du deine Ernährung individuell mit einer Ernährungsberatung abstimmen. Ampelo ist ein Orientierungshilfsmittel und kein Medizinprodukt.

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